Religionen -> Hat Gott den Menschen geschaffen oder der Mensch Gott?

Religion: lat: religio = gewissenhaftes Handeln oder Platon: re-ligare = mit dem Guten verbinden. https://www.worldreligionnews.com/religion-news/

Das Wort Religion hat eine ungeklärte Herkunft und kann verschiedene Bedeutungen haben. Eine allgemeine Definition von Religion ist, dass es sich um eine Weltanschauung handelt, die mit dem Glauben an etwas Übernatürliches verbunden sein kann, wie eine höhere Macht, Götter, Geister oder eine wirkende Kraft. Religion kann auch den Gegenstand frommer Verehrung oder die Suche nach dem Seelenheil bezeichnen.

Die Chancen, Gefahren und Bedeutung von Religion und Glaube sind vielfältig. Bevor Schriften und Bücher eine weite Verbreitung hatten, war eine Methode zur Verbreitung von Lebensgrundsätzen, Ethik und Moral das Erzählen von Geschichten. Durch das Geschichtenerzählen wurden die Inhalte, welche heute in den Religionsschriften ( Bibel, Koran etc.) festgehalten sind, früher an die Menschen weiterverbreitet. Dabei ist nicht der nachweisbare Inhalt sondern die Bedeutung des Inhalts der Botschaft wichtig. Durch das Aufkommen der Wissenschaft und wissenschaftlichen Methoden wurden und werden die Botschaften in den religiösen Schriften auf ihre Richtigkeit und Nachweisbarkeit nach wissenschaftlichen Methoden überprüft und können diese Überprüfung nicht bestehen, und werden als falsch etc. bezeichnet. z.B. der Schöpfungsbericht der Abraham Religionen (Judentum, Christentum, Islam) hat Orientierungsfunktion. Heute hat man die ursprüngliche Funktion der Sprache der Religion vergessen und die Aussagen in den Religionen als absolut (= Aberglaube) erklärt, obwohl sie ursprünglich als Erzählungen zur Orientierung und als Handlungsanweisungen aufgebaut wurden.

Darüber und über Religion und Glaube haben sich auch verschiedene Philosophen Gedanken gemacht. 

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Interessant sind u.a. die Ansichten von Ludwig Wittgenstein. Er hatte eine einzigartige Perspektive auf Religion. Er betrachtete religiöse Überzeugungen nicht als rationale Behauptungen, die bewiesen oder widerlegt werden können, sondern als Ausdruck einer Lebensweise. Für ihn war Religion eng mit Praxis und Handlung verbunden, nicht mit Dogmen oder offiziellen Glaubenssystemen. In seinen späteren Werken, insbesondere in den *Philosophischen Untersuchungen*, betonte er, dass religiöse Sprache eine eigene Funktion hat und nicht mit wissenschaftlicher oder alltäglicher Sprache gleichgesetzt werden kann. Einige Philosophen haben seine Ansichten als eine Form des Fideismus interpretiert, also als eine Haltung, die religiösen Glauben gegen rationale Kritik immunisiert. Andere sehen in seinen Bemerkungen eine Erinnerung daran, dass religiöse Aussagen in einem bestimmten Kontext verstanden werden müssen und nicht als theoretische Behauptungen über die Welt.

Wittgensteins Denken hat einen tiefgreifenden Einfluss auf die moderne Religionsphilosophie. Seine Sprachphilosophie und seine Überlegungen zur Gewissheit haben neue Perspektiven eröffnet, insbesondere in Bezug auf die Art und Weise, wie religiöse Sprache funktioniert und wie Glaubensüberzeugungen verstanden werden können. Einige Philosophen haben Wittgensteins Konzept der *Sprachspiele* genutzt, um zu zeigen, dass religiöse Aussagen nicht mit wissenschaftlichen oder empirischen Behauptungen verglichen werden sollten. Stattdessen sind sie Teil eines eigenen Sprachspiels mit spezifischen Regeln und Bedeutungen. Dies hat zu einer Neubewertung der Beziehung zwischen Glauben und Vernunft geführt. Darüber hinaus hat Wittgensteins Idee der *Lebensform* dazu beigetragen, Religion als eine Praxis zu verstehen, die tief in der menschlichen Existenz verwurzelt ist. Religiöse Überzeugungen sind demnach nicht bloße Meinungen oder Hypothesen, sondern Ausdruck einer bestimmten Art zu leben

Seine Gedanken zur *Mystik* und zum *Unaussprechlichen* haben ebenfalls Einfluss auf die heutige Religionsphilosophie. Wittgenstein argumentierte, dass es Dinge gibt, die sich nicht in Worte fassen lassen, sondern nur gezeigt werden können. Dies hat zu Diskussionen darüber geführt, wie religiöse Erfahrung und Transzendenz philosophisch erfasst werden können. 

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Ansichten des Philosophen Baruch de Spinoza:

Baruch de Spinoza (1632-1677), einer der bedeutendsten Philosophen der Frühen Neuzeit, hat sich in seinen Werken, insbesondere im Tractatus Theologico-Politicus (Theologisch-politischer Traktat) und in der Ethik, eingehend mit Religion auseinandergesetzt. Seine Ansichten waren radikal für seine Zeit und führten zu seiner Exkommunikation aus der jüdischen Gemeinde Amsterdams. Kernpunkte von Spinozas Religionsverständnis sind:

 * Sein Gottesbegriff: Spinoza identifiziert Gott mit der Natur oder der Substanz (Deus sive Natura). Für ihn ist Gott nicht ein persönliches Wesen, das außerhalb der Welt steht, diese erschaffen hat und durch Vorsehung regiert. Stattdessen ist Gott die einzige, unendliche und ewige Substanz, aus der alles andere als Modi oder Affektionen hervorgeht. Dieser pantheistische oder panentheistische Gottesbegriff unterscheidet sich fundamental von traditionellen religiösen Vorstellungen.

 * Kritik an traditioneller Religion und Geistlichkeit: Spinoza übte scharfe Kritik an organisierten Religionen und insbesondere an der Macht der Geistlichkeit. Er sah, wie theologische Autoritäten Aberglauben und Furcht nutzten, um die Menschen zu kontrollieren und ihre eigene Macht zu erhalten. Er argumentierte, dass dies zu Konflikten und Unterdrückung führte und der wahren Frömmigkeit im Wege stand.

 * Analyse und Interpretation der Heiligen Schrift: Im Tractatus Theologico-Politicus führt Spinoza eine bahnbrechende historisch-kritische Methode zur Interpretation der Bibel ein. Er argumentiert, dass die Schrift nicht wörtlich als das Wort Gottes verstanden werden sollte, das metaphysische Wahrheiten offenbart. Vielmehr sei ihr Hauptzweck, Gehorsam und einfache moralische Lehren zu vermitteln, die für ein friedliches Zusammenleben notwendig sind. Wunder erklärt er als natürliche Ereignisse, deren Ursachen den Menschen unbekannt sind.

 * Trennung von Glaube und Vernunft/Philosophie: Spinoza zieht eine klare Trennung zwischen Glaube und Vernunft. Glaube basiert auf Gehorsam und hat das Ziel der Frömmigkeit und des Friedens. Die Vernunft hingegen zielt auf wahre Erkenntnis der Natur der Dinge, einschliesslich Gottes. Die Philosophie, die auf der Vernunft beruht, ist für Spinoza der Weg zur höchsten Form der Erkenntnis Gottes und zur wahren Glückseligkeit.

 * Fürsprache für Gedanken- und Religionsfreiheit: Aus seiner Kritik an der religiösen Bevormundung leitet Spinoza die Notwendigkeit der Gedanken- und Meinungsfreiheit ab. Er plädierte für einen säkularen Staat, der die Religionsausübung toleriert, solange sie die öffentliche Ordnung und Sicherheit nicht gefährdet. Religiöser Glaube sei eine Privatsache und der Staat solle nicht versuchen, das Gewissen seiner Bürger zu kontrollieren.

 * Universaler Glaube: Spinoza skizziert die Grundzüge eines universalen Glaubens, der für alle Menschen zugänglich ist und die notwendigen moralischen Lehren für ein tugendhaftes Leben enthält. Dieser universale Glaube beschränkt sich auf wenige einfache Prinzipien, wie die Existenz Gottes, die Gerechtigkeit und Barmherzigkeit Gottes sowie die Notwendigkeit von Gerechtigkeit und Nächstenliebe im Handeln.

 * Intellektuelle Gottesliebe (amor dei intellectualis): In der Ethik beschreibt Spinoza die höchste Form der menschlichen Erkenntnis und Glückseligkeit als die intellektuelle Liebe zu Gott. Dies ist keine emotionale oder persönliche Liebe im herkömmlichen Sinne, sondern eine intellektuelleAnerkennung und Bejahung der notwendigen Ordnung der Natur und der Stellung des Menschen darin. Sie erwächst aus der klaren und deutlichen Erkenntnis Gottes als der allumfassenden Substanz.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Spinoza die Religion als ein menschliches Phänomen betrachtet, das sowohl positive als auch negative Auswirkungen haben kann. Während er den spirituellen Wert einer auf Vernunft basierenden Erkenntnis Gottes und einer daraus resultierenden Ethik hervorhebt, kritisiert er scharf die Dogmen, Rituale und Machtstrukturen traditioneller Religionen, die seiner Meinung nach oft Aberglauben und Unterdrückung Vorschub leisten. Sein Ziel war es, den Weg für intellektuelle Freiheit und ein friedliches Zusammenleben zu ebnen, indem er Religion auf ihre wesentlichen moralischen und sozialen Funktionen reduzierte und sie von metaphysischen Spekulationen und politischer Macht trennte.

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Interessanter Artikel von Frank a Meier zu Religionen: Umweltreligion, Wokreligion etc. ... die neuen Religionen  Religion vs. Demokratie.

 

 

Warum Krishnamurti  die Sekte "Oren des Sterns im Osten aufgelöst hat":  Link zu Video

.... Ich behaupte, dass die Wahrheit ein pfadloses Land ist, und Sie können sich ihr auf keinem Pfad nähern, durch keine Religion, durch keine Sekte. Das ist meine Ansicht, an der ich absolut und bedingungslos festhalte. Die WAHRHEIT, die grenzenlos, unbedingt, unnahbar ist, auf welchem Pfad auch immer, kann nicht organisiert werden; auch sollte keine Organisation gebildet den, um Menschen auf einen besonderen Pfad zu führen oder zu nötigen. Wenn Sie das als erstes verstehen, dann werden Sie sehen, wie unmöglich es ist, einen Glauben zu organisieren. Glaube ist eine rein individuelle Angelegenheit, und Sie können und dürfen ihn nicht organisieren. Wenn Sie es tun, dann stirbt er, erstarrt er; er wird zur Konfession, zu einer Sekte, einer Religion, die anderen aufgenötigt wird. Das ist es aber, was überall auf der Welt jeder zu tun versucht. Die WAHRHEIT wird geschmälert und zum Spielzeug für die Schwachen, für diejenigen, die nur einen Augenblick unzufrieden sind. Die Wahrheit kann nicht heruntergeholt werden; vielmehr muss der einzelne sich die Mühe machen, zu ihr hinaufzusteigen. Sie können den Gipfel des Berges nicht ins Tal herunterholen. Ganzer Artikeltext hier Link

Buddhsimus in 60 Minuten

Buddhismus 20 weitverbreitete Missverständnisse LINK

Religionen haben oft heilige Schriften, Rituale, Gebote, Feiertage und Gemeinschaften, die das Leben und Verhalten der Gläubigen prägen. Es gibt sehr viele verschiedene Religionen auf der Welt, die sich in ihrer Geschichte, Lehre, Ethik und Praxis unterscheiden. siehe am Ende dieses ,Beitrages die "The evolutionary Tree of Religion" 

Wenn du mehr darüber erfahren möchten, können Sie die folgenden Links besuchen:

Albert Einstein meint dazu:  Alles, was von den Menschen getan und erdacht wird, gilt der Befriedigung gefühlter Bedürfnisse sowie der Stillung von Schmerzen. Dies muss man sich immer vor Augen halten, wenn man geistige Bewegungen und ihre Entwicklung verstehen will. Denn Fühlen und Sehnen sind der Motor alles menschlichen Strebens und Erzeugens, mag sich uns letzteres auch noch so erhaben darstellen. Welches sind nun die Gefühle und Bedürfnisse, welche die Menschen zu religiösen Denken und zum Glauben im weitesten Sinne gebracht haben? Wenn wir hierüber nachdenken, so sehen wir bald, dass an der Wiege des religiösen Denkens und Erlebens die verschiedensten Gefühle stehen. Beim Primitiven ist es in erster Linie die Furcht, die religiöse Vorstellungen hervorruft. Furcht vor Hunger, wilden Tieren, Krankheit, Tod. Da auf dieser Stufe des Daseins die Einsicht in die kausalen Zusammenhänge gering zu sein pflegt, spiegelt uns der menschliche Geist selbst mehr oder minder analoge Wesen vor, von deren Wollen und Wirken die gefürchteten Erlebnisse abhängen. Man denkt nun, die Gesinnung jener Wesen sich günstig zu stimmen, indem man Handlungen begeht und Opfer bringt, welche nach dem von Geschlecht zu Geschlecht überlieferten Glauben jene Wesen besänftigen bzw. dem Menschen geneigt machen. Ich spreche in diesem Sinne von Furcht-Religion. Diese wird nicht erzeugt, aber doch wesentlich stabilisiert durch die Bildung einer besonderen Priesterkaste, welche sich als Mittlerin zwischen den gefürchteten Wesen und dem Volke ausgibt und hierauf eine Vormachtstellung gründet. Oft verbindet der auf andere Faktoren sich stützende Führer oder Herrscher bzw. eine privilegierte Klasse mit ihrer weltlichen Herrschaft zu deren Sicherung die priesterlichen Funktionen, oder es besteht eine Interessengemeinschaft zwischen der politisch herrschenden Kaste und der Priesterkaste.

Eine zweite Quelle religiösen Gestaltens sind die sozialen Gefühle. Vater und Mutter, Führer größerer menschlicher Gemeinschaften sind sterblich und fehlbar. Die Sehnsucht nach Führung, Liebe und Stütze gibt den Anstoß zur Bildung des sozialen bzw. des moralischen Gottesbegriffes. Es ist der Gott der Vorsehung, der beschützt, bestimmt, belohnt und bestraft. Es ist der Gott, der je nach dem Horizont des Menschen das Leben des Stammes, der Menschen, ja das Leben überhaupt liebt und fördert, der Tröster in Unglück und ungestillter Sehnsucht, der die Seelen der Verstorbenen  bewahrt. Dies ist der soziale oder moralische Gottesbegriff. In der heiligen Schrift des jüdischen Volkes lässt sich die Entwicklung von der Furcht-Religion zur moralischen Religion schön beobachten. Ihre Fortsetzung hat sie im Neuen Testament gefunden. Die Religionen aller Kulturvölker, insbesondere auch der Völker des Orients, sind in der Hauptsache moralische Religionen. Die Entwicklung von der Furcht-Religion zur moralischen Religion bildet einen wichtigen Fortschritt im Leben der Völker. Man muss sich vor dem Vorurteil hüten, als seien die Religionen der Primitiven reine Furcht-Religionen, diejenigen der kultivierten Völker reine Moral-Religionen. Alle sind vielmehr Mischtypen, so jedoch, dass auf den höheren Stufen sozialen Lebens die Moral-Religion vorherrscht.

All diesen Typen gemeinsam ist der anthropomorphe Charakter der Gottesidee. Über diese Stufe religiösen Erlebens pflegen sich nur besonders reiche Individuen und besonders edle Gemeinschaften wesentlich zu erheben. Bei allen aber gibt es noch eine dritte Stufe religiösen Erlebens, wenn auch nur selten in reiner Ausprägung; ich will sie als kosmische Religiosität bezeichnen. Diese lässt sich demjenigen, der nichts davon besitzt, nur schwer deutlich machen, zumal ihr kein menschenartiger Gottesbegriff entspricht. Das Individuum fühlt die Nichtigkeit menschlicher Wünsche und Ziele und die Erhabenheit und wunderbare Ordnung, welche sich in der Natur sowie in der Welt des Gedankens offenbart. Es empfindet das individuelle Dasein als eine Art Gefängnis und will die Gesamtheit des Seienden als ein Einheitliches und Sinnvolles erleben. Ansätze zur kosmischen Religiosität finden sich bereits auf früher Entwicklungsstufe, z. B. in manchen Psalmen Davids sowie bei einigen Propheten. Viel stärker ist die Komponente kosmische Religiosität im Buddhismus, was uns besonders Schopenhauers wunderbare Schriften gelehrt haben. - Die religiösen Genies aller Zeiten waren durch diese kosmische Religiosität ausgezeichnet, die keine Dogmen und keinen Gott kennt, der nach dem Bild des Menschen gedacht wäre. Es kann daher auch keine "Kirche geben, derer: hauptsächlicher Lehrinhalt sich auf die kosmische Religiosität gründet. 

So kommen wir zu einer Auffassung von der Beziehung der Wissenschaft zur Religion, die recht verschieden ist von der üblichen. Man ist nämlich nach der historischen Betrachtung geneigt, Wissenschaft und Religion als unversöhnliche Antagonisten zu halten, und zwar aus einem leichtverständlichen Grund. Wer von der kausalen Gesetzmäßigkeit allen Geschehens durchdrungen ist, für den ist die Idee eines Wesens, welches in den Gang des Weltgeschehens eingreift, ganz unmöglich - vorausgesetzt allerdings, dass er es mit der Hypothese der Kausalität wirklich ernst nimmt. Die Furcht-Religion hat bei ihm keinen Platz, aber ebenso wenig die soziale bzw. moralische Religion. Ein Gott, der belohnt und bestraft, ist für ihn schon darum undenkbar, weil der Mensch nach äußerer und innerer gesetzlicher Notwendigkeit handelt, vom Standpunkt Gottes aus also nicht verantwortlich wäre, sowenig wie ein lebloser Gegenstand für die von ihm ausgeführten Bewegungen. Man hat deshalb schon der Wissenschaft vorgeworfen, dass sie die Moral untergrabe, jedoch gewiss mit Unrecht. Das ethische Verhalten des Menschen ist wirksam auf Mitgefühl, Erziehung und soziale Bindung zu gründen und bedarf keiner religiösen Grundlage. Es stünde traurig um die Menschen, wenn sie durch Furcht vor Strafe und Hoffnung auf Belohnung nach dem Tode gebändigt werden müssten. Es ist also verständlich, dass die Kirchen die Wissenschaft von jeher bekämpft und ihre Anhänger verfolgt haben. Andererseits aber behaupte ich, dass die kosmische Religiosität die stärkste und edelste Triebfeder wissenschaftlicher Forschung ist. Nur wer die ungeheuren Anstrengungen und vor allem die Hingabe ermessen kann, ohne welche bahnbrechende wissenschaftliche Gedankenschöpfungen nicht zustande kommen können, vermag die Stärke des Gefühls zu ermessen, aus dem allein solche dem unmittelbar praktischen Leben abgewandte Arbeit erwachsen kann. Welch ein tiefer Glaube an die Vernunft des Weltenbaues und welche Sehnsucht nach dem Begreifen wenn auch nur eines geringen Abglanzes der in dieser Welt geoffenbarten Vernunft (wunderbaren Ordnung) musste in Kepler und Newton lebendig sein, dass sie den Mechanismus der Himmelsmechanik in der einsamen Arbeit vieler Jahre entwirren konnten! Wer die wissenschaftliche Forschung in der Hauptsache nur aus ihren praktischen
Auswirkungen kennt, kommt leicht zu einer ganz unzutreffenden Auffassung vom Geisteszustand der Männer, welche - umgeben von skeptischen Zeitgenossen - Gleichgesinnten die Wege gewiesen haben, die über die Länder der Erde und über die Jahrhunderte verstreut waren. Nur wer sein Leben ähnlichen Zielen hingegeben hat,
besitzt eine lebendige Vorstellung davon, was diese Menschen beseelt und ihnen die Kraft gegeben hat, trotz unzähliger Misserfolge dem Ziel treu zu bleiben. Es ist die kosmische Religiosität, die solche Kräfte spendet. Ein Zeitgenosse hat nicht mit Unrecht gesagt, dass die ernsthaften Forscher in unserer im allgemeinen materialistisch
eingestellten Zeit die einzigen tief religiösen Menschen seien. Der Forscher  ist von der Kausalität allen Geschehens durchdrungen. Die Zukunft ist ihm nicht minder notwendig und bestimmt wie die Vergangenheit. Das Moralische ist ihm keine göttliche, sondern eine rein menschliche Angelegenheit. Seine Religiosität liegt im verzückten Staunen über die Harmonie der Naturgesetzlichkeit, in der sich eine so überlegene Vernunft offenbart, dass alles Sinnvolle menschlichen Denkens und Anordnens dagegen ein gänzlich nichtiger Abglanz ist. 

https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Religion

https://de.wikipedia.org/wiki/Religion

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