Emanuel Kant

Aufklärung:

Was kann ich wissen?

Was soll ich tun?

Was kann ich hoffen?

Was ist der Mensch?


Immanuel Kant war ein deutscher Philosoph des 18. Jahrhunderts, der einen Wendepunkt in der Philosophie schuf und die Epoche der Aufklärung prägte. Hier sind einige seiner Kernaussagen:

  1. Erkenntnistheorie: Kant lehrte, dass alle Erkenntnis an die Erfahrung gebunden ist. Er kann somit auch als Empiriker gelten, der Wissen einzig auf der Grundlage von messbaren Werten anerkennt. Erfahrung besteht nach Kant aus erfahrungsunabhängigen - er nennt dies apriorisch - Voraussetzungen, also auf Verstandesgesetzen.
  2. Vernunft und Autonomie: Kant rief dazu auf, Eigenverantwortung zu übernehmen, anstatt sich an Gottesvorschriften zu halten. Er betonte die Notwendigkeit, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen.
  3. Kategorischer Imperativ: Eine weitere Kernaussage der Erkenntnistheorie Kants ist, dass die Vernunft die Grundlage jeglichen menschlichen Handelns sein soll. Kant formulierte dies als: "Handle stets so, dass deine Grundsätze, gemeint sind Einstellungen, auch allgemeine Gesetze einer Gesellschaft werden können". Diese Forderung ist auch als der “Kategorische Imperativ” bekannt.
  4. Vier Fragen der Philosophie: In seinem Hauptwerk stellte Kant die vier wesentlichen Fragen der Philosophie:

“Was kann ich wissen?“ Die Frage “Was kann ich wissen?” beantwortet Kant mit der Metaphysik und der Erkenntnistheorie. Er argumentiert, dass wir die Dinge nicht so kennen können, wie sie sind, sondern nur so, wie sie uns durch unsere Sinne und unsere Verstandeskategorien erscheinen. Kant unterscheidet zwischen der Welt der Erscheinungen, die das Reich der empirischen Wissenschaft und der praktischen Vernunft ist, und der Welt des Denkbaren, die das Reich der Metaphysik und der reinen Vernunft ist. Er erklärt, wie wir auf der Grundlage unserer a priori Formen der Anschauung (Raum und Zeit) und unserer a priori Formen des Denkens (die Kategorien) Begriffe und Urteile bilden. Darüber hinaus diskutiert er die Rolle der Vernunftideen, wie Freiheit, Gott und Gerechtigkeit, die nicht durch Erfahrung bewiesen oder widerlegt werden können, aber unsere moralischen und existenziellen Entscheidungen beeinflussen. In Bezug auf das Wissen ist laut Kant "wenigstens so viel sicher und ausgemacht, dass uns dieses […] niemals zu Teil werden könne". Heute würden wir die Frage “Was kann ich wissen?” weniger der Metaphysik, als vielmehr der Erkenntnistheorie zuordnen, als Teil der theoretischen Philosophie. Tiefergehende Fragen wären hier: Was sind Wahrheit und Wirklichkeit? Ist sichere Erkenntnis überhaupt möglich?

„Was soll ich tun?“ Immanuel Kant hat diese Frage in seiner Philosophie klar beantwortet. Er glaubte, dass der Mensch als vernünftiges Lebewesen dem Sittengesetz unterliegt, das er sich kraft seiner Freiheit geben kann1. Er formulierte es als kategorischen Imperativ, dem zu folgen, in der Pflicht des Menschen liegt.

„Was darf ich hoffen?“ Zur Frage “Was darf ich hoffen?” hat Kant eine erweiterte Version geliefert: "Wenn ich nun tue, was ich soll, was darf ich alsdenn hoffen?". Diese Frage ist eng mit seiner Ethik und dem Konzept des kategorischen Imperativs verbunden. In Bezug auf das Hoffen meint Kant, dass wenn wir tun, was wir moralisch sollen, wir hoffen dürfen, dass wir in einer Welt leben, in der Gerechtigkeit herrscht. Es geht also um die Hoffnung auf eine gerechte Welt, die aus unserem moralischen Handeln resultiert.

„Was ist der Mensch?“ Kant befasst sich mit der Frage nach dem Wesen des Menschen und seinem Bezug zum Umfeld.
Für Kant ist der Mensch ein "Geschöpf der Mitte", sowohl zeitlich als auch räumlich: Zeitlich in der Mitte, weil er zu Beginn der Erdgeschichte nicht existierte, aber auch nicht bis zum Ende existieren wird, sondern nur solange die Bedingungen für sein Leben vorhanden sind. Räumlich in der Mitte, weil der Mensch auf einem Planeten lebt, der eine von Milliarden Sonnen in unserem Milchstraßensystem umkreist. Dem Ganzen gegenüber ist der Mensch furchtbar klein, jedoch groß gegenüber kleinen Lebewesen, Bakterien, Molekülen, Atomen und Nukleonen. Die Sinne des Menschen versagen gegenüber dem Größten und dem Kleinsten.
Der Mensch ist also als Punkt von Raum und Zeit zu verstehen, der in einer Umwelt lebt, die ihn an Macht übertrifft und ihm sowohl Schutz bietet als auch Gefahren aussetzt. Er lebt im und mit dem Kosmos, er wächst, reift, altert und stirbt mit ihm, so dass der Kosmos nicht nur Umwelt ist, sondern sich im Menschen befindet und der Mensch seinerseits im Kosmos. Infolgedessen ob liegt der Mensch den kosmischen Gesetzen, Naturgesetzen. Der Mensch vereinigt in sich jedoch nicht nur Physikalisches und Biologisches, sondern auch Geistiges. Die Wechselwirkungen dieser verschiedenen Einwirkungen und ihre Verknüpfung entwickeln die "Person" des Menschen. Durch das Geistige ist der Mensch den anderen Lebewesen überlegen, jedoch gibt ihm die Dreiheit von Physik, Biologie und Geist auch Schwäche, Hoffnung und Tragödie. Eine weitere Folge der Verknüpfung der drei Seinsreiche im Menschen ist das innere "Kampffeld", da jedes Reich seine Gesetze durchsetzen will. Jedoch gibt es eine Abfolge, die bestimmt, welche Gesetze andere aufheben. Biologische Gesetze regieren über physische und geistige über biologische. Es ist aber auch möglich, dass ein biologisches Gesetz über ein geistiges regiert, so dass z.B. Instinkte und Triebe zum Vorschein kommen. 

Diese Aussagen haben die Philosophie maßgeblich geprägt und Kant zu einem der bedeutendsten Denker der Geschichte gemacht.

Link: Gedanken zu "Freier Wille eine Illusion?  Die Natur ist von vornherein nicht gut?"

Link MM zu Freier Wille

Experiment zum freien Wille 

Der Glaube an einen freien Willen umfasst nach meinem Verständnis die Überzeugung, dass jeder von uns zu jedem beliebigen Zeitpunkt anders denken oder handeln könnte, als man dies tut oder getan hat. Das dem nicht so ist, kann man meiner Meinung nach sowohl experimentell erfahren, als auch logisch begründen.

Das Erfahrungsexperiment geht wie folgt und du kannst es gerne gleich selbst ausprobieren: Schliesse dazu deine Augen und versuch dich einzig und allein auf deinen Atem zu konzentrieren. Spüre z.B. den Luftzug an deiner Nase oder das Heben und Senken deines Bauches. Mach dies für 5-10 Minuten und schau was passiert. Wahrscheinlich wirst du erkennen, dass du schon nach kurzer Zeit von irgendwelchen Gedanken abgelenkt wirst. Du konzentrierst dich nicht mehr auf deinen Atem, ein Gedanke hat dich entführt, obwohl du ein anderes, ziemlich einfaches Ziel hattest, dich ausschliesslich auf deinen Atem zu konzentrieren. Versuche dieses Experiment hunderte, besser tausende Male und du wirst wahrscheinlich immer wieder aufs Neue feststellen, dass du keine Kontrolle über deine Gedanken hast. Sobald du erkennst, dass du wieder von einem Gedanken entführt wurdest, nimm dies gelassen zur Kenntnis und versuche dich wieder auf deinen Atem zu konzentrieren. Mit diesem Experiment kannst du erkennen, dass deine Gedanken kommen und gehen und jener Teil, den du als dein ‚ich‘ empfindest, keine Kontrolle darüber hat, welche Gedanken als nächstes auftauchen. Diese Methode und einige mehr18 können dir auch dabei helfen zu erkennen, dass dein ‚ich-Gefühl‘ selbst nur ein Gedanke ist. Und wenn du erkennst, dass das, was du als ‚ich‘ empfindest keine Kontrolle darüber hat, welcher Gedanke als nächstes auftaucht, bzw. selbst ein Gedanke ist, macht es meiner Meinung nach wenig Sinn der Überzeugung zu folgen, dass ‚man‘ die Kontrolle über seine Gedanken oder Handlungen hat. Wenn man sich genau beobachtet, kann man meines Erachtens erkennen, dass der vermeintlich empfundene freie Wille eine Illusion war und gar nicht empfunden wird.

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